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#2 Interview mit Christoph Schneller

Interview Christoph Schneller Travel around the clock

Interview mit Christoph Schneller


Im zweiten Interview von Travel around erfährst du, wie Christoph Schneller seine beiden Leidenschaften, das Reisen und den Fussball, miteinander verbindet. In einem ausführlichen und bildhaften Interview erzählt er von der Taxi-Mafia in Myanmar, einem Messer an der Kehle an der Copacabana und einem magischen Sonnenaufgang in Istanbul.

 

Christoph war bislang in 85 Ländern unterwegs. Ein Ende seiner Reiselust ist aber noch lange nicht in Sicht. Für die Zeit nach der Corona-Pandemie stehen schon zahlreiche Länder auf seiner Bucket Liste. Welche das sind, was Christoph auf seinen Reisen bislang erlebt hat und welche Erkenntnisse er mit nach Hause genommen hat, erfährst du im gesamten Interview.

 

Nimm dir also eine Tasse Tee oder Kaffee, setz dich auf die Couch und begib dich mit Christoph und Travel around the clock hinein ins Abenteuer!

 

Alle weiteren Interviews findest du in der Kategorie Interviewserie.

 

Und jetzt: Viel Spaß beim Lesen!


85 Länder, 694 Stadien und unzählige "Magic Moments"

Interview Christoph Schneller

"Seit dem Kindesalter vom Reisen fasziniert"

Travel around the clock:

Hallo Christoph, wir (Alex & Christoph) kennen uns ja bereits seit mittlerweile 2 ½ Jahren. Damals habe ich dich in deinem damaligen Job quasi “beerbt”. Erst einmal möchte ich dir aber danken, dass du dir die Zeit nimmst und dich an unserer Interviewserie beteiligst. Stelle dich doch mal kurz unseren Lesern vor, damit sie wissen, mit wem sie es diesmal zu tun haben.

 

Christoph Schneller:

Hallo Alex, es freut mich für Euren Blog ein Interview geben zu dürfen. Ich bin Christoph und im Endeffekt schon seit klein auf und den Urlauben mit der Familie vom Reisen angetan und fasziniert. Ebenfalls habe ich früher leidenschaftlich gerne Fußball gespielt und als Fan im Stadion bei Spielen mitgefiebert. Die Leidenschaften des Reisens und Fußball schauen habe ich dann seit meinem 16. Lebensjahr miteinander verbunden. So war ich dann teils noch in dem Zeitalter ohne Billigflieger, Fernbusse, Internet, Navis vor allem auch mit dem „Schönes-Wochenende-Ticket“ der Bahn innerhalb von Deutschland unterwegs. Spätestens ab dem Erwerb des Führerscheins dann auch im gesamten europäischen Ausland und irgendwann auch darüber hinaus. Auch während meines Studiums der Freizeit- und Tourismus-Geographie wurden die Reisen und Kurztrips immer noch häufiger und länger.

 

Travel around the clock:

Die Wahl deines Studiums war also kein Zufall, richtig?

 

Christoph Schneller:

Jein. Mir war es immer schon wichtig, die Dinge zu tun die mir persönlich Antrieb geben und Spaß machen. Ich würde mich als recht vielseitig interessierten Menschen beschreiben und hatte damals ein besonderes Interesse an Bereichen wie Journalismus, Marketing, Tourismus, Geografie – ohne mir da auch frühzeitig schon zu überlegen, was ich damit irgendwann mal beruflich anfangen kann und möchte. Da der damals gewählte Studiengang in Trier und somit nicht weit entfernt von meiner Heimat-Stadt angeboten wurde, ist die Wahl dann auf dieses Studium gefallen.

"Bisher habe ich 85 Länder nach der Definition der Vereinten-Nationen-Liste besucht"

Travel around the clock:

Deine Leidenschaft zum Reisen besteht somit seit der Jugendzeit. Wie viele Länder hast du bislang bereist?

 

Christoph Schneller:

Ein Stück weit ist die Frage, wie man „Land“ definiert. Also ob man zum Beispiel „nur“ die 193 Länder zählt die offiziell von den Vereinten Nationen gelistet sind - oder als Fußballreisender auch die Mitglieder der Fußballverbände UEFA und FIFA (aktuell 212). Oder gar die vom Club der Most Traveled People (MTP) knapp 1000 definierten Territorien und Gebiete. Über den Status von unter anderem Nordzypern, Palästina oder dem Kosovo herrscht nicht immer Einigkeit, je nachdem welche Betrachtungsweise berücksichtig wird. Bisher habe ich 85 Länder nach der Definition der Vereinten Nationen Liste besucht – wobei es aus meiner Sicht auch manchmal ein Unterschied ist, zwischen „bereisen“ und „dagewesen zu sein“.

 

Travel around the clock:

Eine klassische Frage darf an dieser Stelle natürlich nicht fehlen. Welches Land oder welche Destination hat dir bislang am besten gefallen?

 

Christoph Schneller:

Das schöne am Reisen ist aus meiner Sicht die Unvergleichbarkeit zwischen Ländern, Kulturen und den einzelnen Facetten, die jedes Land, jede Stadt oder Region zu bieten haben. Auch hat ja jeder Reisende andere Vorlieben, Interessen und Schwerpunkte. Aus den genannten Gründen kann ich kein Ranking erstellen, wo es mir am besten gefallen hat. Besonders gut gefallen hat es mir hinsichtlich der Freundlichkeit der Menschen zum Beispiel in Myanmar und im Iran. Indonesien habe ich als unglaublich vielseitiges Land kennengelernt. Israel und Palästina sind aufgrund ihrer Geschichtsträchtigkeit, die ja auch die Gegenwart prägt, sehr besonders. Portugal und Kroatien haben es mir im Mittelmeerraum besonders angetan.

 

Das Baltikum und Skandinavien strahlen besonders im Sommer eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus. Thailand ist für mich abgesehen der Tourismus-Massen, die dem Land mittlerweile Teil seines Zaubers rauben, ein Reiseland in dem sehr viel zusammenkommt: Traumhafte Landschaften und Inseln, tolles Wetter, tolle Menschen und super leckeres Essen. Ägypten schätze ich ebenfalls als sehr vielseitiges Reiseziel, mit einer einzigartigen Geschichte, den Kulturdenkmälern und auch dem Flair, dass teilweise die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Und diese Liste könnte ich noch weiter fortsetzen.

"Wenn man schonmal in Japan ist, kann man auch noch in Südkorea Halt machen"

Travel around the clock:

Warum hast du dich genau für diese Länder entschieden? Was hat dich damals vorab an diesen Destinationen gereizt?

 

Christoph Schneller:

Anfangs war die Auswahl der Reiseziele sehr stark von Fußballgesichtspunkten beeinflusst: Wo spielt mein Verein? Wo spielt die Nationalmannschaft? Wo finden besondere Spiele, zum Beispiel Derbys statt, Spiele in besonderen Stadien oder von besonders bekannten Clubs und Fanszenen. Und vor allem: Wo war ich noch nicht? Auch auf den Reisen habe ich immer darauf geachtet möglichst viel von Land und Leuten mitzubekommen, Städte und kulturelle Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Der große Mehrwert der fußballbezogenen Reisen war und ist, dass man auch Städte und Ecken von Ländern kennenlernt, die man unter „normalen“ touristischen Gesichtspunkten nie entdecken würde. Auf jeder Tour habe ich dann in Zeitschriften im Flieger Hinweise zu bis dato noch nicht bekannten Ländern oder Sehenswürdigkeiten aufgeschnappt - oder auch in Erzählungen und Reisereportagen. Und da gab es dann häufig einige Ziele, da hat es im Kopf direkt ein „da muss ich hin“ gemacht,  unter anderem den Komodo-Waranen nach Indonesien oder den Machu Picchu nach Peru. An gekünstelte Instagram-Fotos war zum Glück in den Zeiten noch nicht zu denken.

 

Auch die Liste der sogenannten „neuen 7 Weltwunder“ bot dann einen Reiz diese zu besuchen. Und so kam es bei mir, dass ich nicht nach jeder Reise mit einem Reiseziel weniger im Gepäck zurückkam, sondern meistens direkt ein paar neue dabei hatte. Auf manchen Touren und Reisen boten sich auch Abstecher zu Destinationen an, die eher nicht als einzelnes Ziel bereist worden wären: Wenn man schon auf dem Weg nach Japan ist, kann man auch noch Halt in Südkorea machen. Auf einer Reise durch Malaysia oder Indonesien liegt ein kleiner Abstecher nach Brunei oder Ost-Timor nahe. Und es gibt dann eben noch diese Reiseziele, die man bereisen muss, um nochmal selbst festzustellen, dass es eigentlich nichts zu sehen gibt und man hierhin nicht reisen müsste.

 

Travel around the clock:

Gibt es bestimmte Situationen, an die du dich zurückerinnerst bzw. die dich vielleicht sogar für dein weiteres Leben geprägt haben?

 

Christoph Schneller:

Je nachdem mit welcher Einstellung und Offenheit man auf Reisen geht und je nach Reiseart, kann aus meiner Sicht jede Reise ganz wertvolle Erkenntnisse für den eigenen Alltag liefern. Mir sind einige exemplarische Situationen besonders im Kopf geblieben. Noch mehr Erkenntnisse sind aber wahrscheinlich unterschwellig im Kopf und meinen heutigen Denkweisen verankert: Bei einem Urlaub in Ägypten 2006 arbeitete in einem Kiosk vor unserem Hotel ein junger Mann jeden Morgen von 7.00 Uhr bis abends um 23.00 Uhr, bevor er dann im kleinen Kiosk übernachtete. 7 Tage die Woche. Und dies nicht um großen Wohlstand, Konsum, die nächste Reise mit der Familie zu finanzieren, seine Beiträge für Sozialversicherungen, Altersvorsorge zu leisten oder sich am Wochenende ausgiebig zu vergnügen. Nein, er erklärte dass er mit dem niedrigen Lohn ein kleines Häuschen und das tägliche (Über)Leben seiner Frau und Kind sichern müsse. Ähnliche Beispiele habe ich in Indien oder Indonesien erlebt. Dies zeigt in welchen unterschiedlichen Welten wir auf unserer Erde nach wie vor leben - insbesondere mit Blick aufs Leben, Konsum, (sozialer) Absicherung und vieles mehr.

 

In Myanmars „Touristen-Hotspot“ Bagan bot die Gier der dortigen Taxi-Fahrer einen so krassen Kontrast zur bis dahin erlebten unglaublichen Freundlichkeit im Land. Da stellte ich mir die Frage, wie Tourismus teilweise auch dazu beitragen kann, dass Charaktere verdorben werden und eine Gier entfacht wird. In Zeiten in denen immer mehr Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen reisen und teils in Horden in manchen Zielen regelrecht einfallen – ohne Rücksicht oder Respekt vor den Einheimischen zu haben - frage ich mich auch, wie weit Reisen Kulturen positiv bereichern kann und wo eigentlich eher die negativen Begleiterscheinungen vieles zerstören oder verderben. Auch bettelnde Kinder in Indien, „Schnüffelkinder“ in Rumänien, oder Kinder die Souvenirs verkaufen oder anderweitig einfache Arbeiten erledigen müssen, anstatt die Schule zu besuchen, haben bleibende Eindrücke hinterlassen. Wer viel gereist ist, weiß umso besser einzuschätzen, wie unglaublich gut es uns in Europa geht und dass wir eigentlich nahezu keine Sorgen haben (müssten), sondern viel positiver und dankbarer jeden Tag begegnen sollten und viel genügsamer und glücklicher sein könnten.

11 Länder in 13 Wochen - im Sprint durch Südostasien

Travel around the clock:

Nachdem du im Sommer 2019 in deinem damaligen Job aufgehört hast, bist du erst einmal für 4 Monate auf Weltreise gegangen. Welche Länder hast du in dieser Zeit bereist und wie lange warst du unterwegs?

 

Christoph Schneller:

Meine Reise 2019 dauerte 13 Wochen und führte mich durch 11 Länder: Australien, Singapur, Malaysia, Brunei, Thailand, Laos, Vietnam, Südkorea, Japan, Philippinen und Indonesien.

 

Travel around the clock:

Warst du damals alleine unterwegs? Wenn ja, wie war das für dich in fremde Länder und Kulturen einzutauchen? Wohlwissend, dass du ja auch schon vor dieser Weltreise mehrere Fernreisen unternommen hast.

 

Christoph Schneller:

Die ersten 3 Wochen durch Australien, Singapur und teils Malaysia reiste ich in Begleitung, die weiteren 10 Wochen alleine. Die Reise war teils von einem recht hohen Reisetempo geprägt und auch von sehr viel, teils extremer, Abwechslung. Mindestens genau so unterschiedlich wie die einzelnen Kulturen, Länder und Mentalitäten innerhalb der europäischen Ländern sind (man vergleiche mal Albanien mit Schweden oder Italien mit Bulgarien), so ist dies auch in den Ländern Asiens der Fall und kaum ein Land ist mit dem anderen vergleichbar. Teilweise gibt es sogar innerhalb der Länder gravierende Unterschiede, teils auch religiös bedingt, wie in Indonesien. Jedes bereiste Land ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Ich hatte unheimlich viele tolle Erlebnisse und Austausch mit verschiedenen Einheimischen und Reisenden. Die größte „Überraschung“ war übrigens Japan. Die Mischung aus dort erlebter Tradition und Moderne ist ganz schwer in Worten zu beschreiben und hat mich sehr fasziniert.

 

Travel around the clock:

Vorher warst du also hauptsächlich auf einzelnen kurzen Reisen in den anderen Ländern unterwegs, verstehen wir das richtig?

 

Christoph Schneller:

Vor der Reise 2019 war ich schon mehrfach mal drei Wochen unterwegs (unter anderem zweimal in Südostasien oder auch Indien, dem Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten) oder auch zweimal für je 4 Wochen in Südamerika. Die meisten anderen Reisen hatten aber tatsächlich eine Dauer von jeweils  rund 2 Wochen oder gar kürzer.

gROUNDHOPPING: Wie Reisen und der Fussball verbinden

Travel around the clock:

Nun verbindest du deine Leidenschaft zum Reisen mit einem weiteren großen Hobby, dem Fußball. Wie genau muss man sich das vorstellen? Ich selbst habe natürlich aufgrund meiner Leidenschaft zum Fußball selbst schon oft vom sogenannten Groundhopping gehört.

 

Christoph Schneller:

Beim Groundhopping geht es darum Fußballspiele in verschiedenen Stadien und Ländern zu sehen. Um seine Aktivitäten statistisch zu erfassen, kann pro besuchtem Spiel in einem bis dato noch nicht besuchten Stadion ein „Ground“ gezählt werden und pro besuchten Spiel in einem bis dato noch nicht besuchten Land ein „Länderpunkt“. Wie auch beim Reisen an sich, hat jeder Einzelne so seine unterschiedlichen Schwerpunkte: Es gibt Groundhopper die sind sehr auf Länderpunkte fixiert und fliegen dann auch mal für den Besuch eines Spiels auf die Malediven und haben dort gesamt nur rund 12 Stunden Aufenthalt – oder mal für 2 Tage nach Papua-Neuguinea oder die Kap Verden.

 

Andere reisen über Monate über Kontinente, besuchen möglichst viele Spiele und Grounds und klappern auch noch kulturelle Sehenswürdigkeiten ab. Manche konzentrieren sich auf besondere Stadien, Derbys oder bekannte Ligen. Andere wiederum gehen eher auf „Masse“ und beehren auch jeden noch so kleinen Sportplatz bei einem Spiel. So gibt es in der Welt der Groundhopper mittlerweile Personen, die Fußballspiele in über 200 FIFA-Mitgliedsstaaten gesehen haben und andere die Fußballspiele in mehr als 5000 Stadien und Sportplätzen besucht haben.

 

Travel around the clock:

Das heißt also, dass du dir in jedem Land ein Fußballspiel ansiehst, um den “Länderpunkt” abzuhaken, korrekt?

 

Christoph Schneller:

Jein. Grundsätzlich versuche ich immer in meinen Reiseplanungen den Besuch mindestens eines Fußballspiels einzubauen. Wenn dies aber mal nicht möglich ist, ist das für mich auch kein Drama.

 

Travel around the clock:

Hat das denn bislang immer funktioniert? Oder gab es auch Orte, an denen kein Fußballspiel stattgefunden hat, als du dort warst?

 

Christoph Schneller:

Es gab Ländern in denen hat es leider nicht funktioniert - das war dann auch schon vor Reiseantritt klar. So habe ich Indien oder auch schon zweimal Marokko besucht, ohne da bisher ein Fußballspiel sehen zu können. Bei einer Reise durch Israel, Palästina und Jordanien wurden erst nach Buchung die anvisierten Spiele in Jordanien und Palästina aufgrund der Asienmeisterschaft abgesagt. Auf Korsika wurden wir erst vor Ort damit konfrontiert, dass das Spiel wegen Fan-Ausschreitungen beim vorherigen Heimspiel aufs französische Festland verlegt wurde.

 

Recht bitter wurde es bei einem geplanten Spielbesuch im Azteken-Stadion in Mexiko-City: Weil in der Woche nach unserem dort geplanten Spielbesuch, Spiele der NFL-Worldtour stattfinden sollten, wurde das Heimspiel wegen Pflege des Rasens kurzum in eine andere Stadt verlegt. Das war als ob Bayern München zum ersten Mal überhaupt nicht in seinem Heimstadion spielen würde, weil in der Folge-Woche eine andere Veranstaltung geplant wäre. Aber wenn man viel on Tour ist, gehören solche Erlebnisse auch dazu – und werden durch Momente ausgeglichen, in denen man besonders Glück hat oder sich kurzfristig Dinge zu den eigenen Gunsten verschieben.

Mit dem Messer an der Kehle an der Copacabana

Travel around the clock:

Drei Fragen haben wir noch an dich: Was war deine schönste Situation auf Reisen?

 

Christoph Schneller:

Unter anderem folgende Momente sind mir noch ganz besonders in meiner Erinnerung präsent: In Jerusalem kamen wir nach einer Nacht ohne Schlaf erst spät abends in unserem Hostel am Rande der Stadtmauer zur Altstadt an, wollten aber trotzdem noch eine Runde durch die Altstadt schlendern. In den engen Gassen waren alle Läden dicht, durchs schummrige Licht huschten nur ganz vereinzelt einige Araber oder Juden in ihren besonderen Trachten, zudem patrouillierende Soldaten mit Maschinenpistolen. Irgendwann kam eine Art Check-Point mit Kontrollen wie beim Sicherheitscheck am Flughafen. Ohne zu wissen, wo genau es hin geht, passierten wir diesen Check-Point und standen auf einmal direkt vor der Klagemauer, deren großer Platz zu diesem Zeitpunkt, mit Ausnahme ein paar betender Juden, komplett leer war. Als wir am nächsten Mittag diesen Platz im hellen und täglichen Trubel erneut passierten, strahlte er nicht ansatzweise diese Besonderheit aus, wie am Vorabend.

 

Ebenfalls einer meiner „Magic Moments“ auf Reisen war die total übermüdete Ankunft in Istanbul nach einem nächtlichen Flug dorthin. Bei Sonnenaufgang schipperten wir im Schatten der Skyline aus Minaretten und Moscheen, mit einer der Bosporus Fähren aus dem asiatischen in den europäischen Teil der Stadt, und das mit einer Tasse türkischen Tees in der Hand und in Begleitung von etlichen Möwen. In solchen Momenten weicht dann jegliche Müdigkeit in ein großes Glücksgefühl. Ähnliches habe ich in Myanmar erlebt: Nach einer rund 10-stündigen nächtlichen Busfahrt über holprige Straßen mit tiefsten Schlaglöchern, kamen wir um 4 Uhr morgens entsprechend unfrisch in Bagan an. Die zähen Verhandlungen mit der Taxi-Mafia dort, in denen es noch mehr ums Prinzip als um den überhöhten Preis ging, führten dazu, dass uns im gebuchten Hotel, der bei freien Kapazitäten zugesagte early check-in, weggeschnappt wurde.

Zwei Paare, die eine Minute vor uns eintrafen, ergatterten die letzten freien Zimmer. Sehr genervt, müde und erschöpft ärgerte ich mich in dem Moment über die in Länge gezogene Verhandlungen mit den Taxi-Fahrern. Der Herr an der Rezeption bot uns an, einen Roller mieten zu können und zu einem Tempel zu fahren, um den Sonnenaufgang zu schauen. So ging es auf dem wackligen Gefährt, bei kalten Temperaturen nur mit einer total schlecht gezeichneten Karte durch die totale Dunkelheit zur Suche des besagten Tempels. Diesen fanden wir nach mehrfachem Verfahren noch gerade rechtzeitig. Der dann folgende Sonnenaufgang übertraf alle Erwartungen. Ganz langsam erhob sich die Sonne am Horizont, leichter Frühnebel durchwob die gesamte Ebene und die unzähligen Tempel fingen im Sonnenlicht an zu leuchten. Als dann noch die jeden Morgen startenden 20 Heißluftballons über die Ebene hinwegzogen, war das Panorama perfekt und ich sehr happy über die langen Verhandlungen mit der „Taxi-Mafia“.

 

Einen ebenfalls ähnlichen Moment erlebte ich auch nach dem frühmorgendlichen Aufstieg bei Dunkelheit des alten Inka-Pfades am Machu Picchu in Peru. Nach Passieren des letzten Hügels lag auf einmal diese faszinierende Anlage vor einem und wirkte noch schöner und beeindruckender als auf allen Fotos oder Postkarten.

 

Travel around the clock:

Gab es Situationen, die weniger schön waren bzw. ist dir auf Reisen mal etwas Schlimmeres zugestoßen?

 

Christoph Schneller:

Von schlimmeren Dingen wurde ich bisher glücklicherweise verschont. Eine extreme Erfahrung war es, in Rio de Janeiro am späten Nachmittag zusammen mit einem Kumpel am riesigen Strand der Copacabana von einer 8-köpfigen Gang überfallen zu werden und auf einmal eine Machete mit 30-Zentimeter-Klinge direkt vor dem Hals zu haben. Der ideelle Schaden, der geraubten Dinge (unter anderem eine Speicherkarte mit Fotos) war allerdings weitaus höher als der Sachschaden. In Peking erlebte ich eine große Enttäuschung, als die chinesische Mauer in Folge von Regenfällen und Erdrutschen während der gesamten Zeit des Aufenthalts dort gesperrt war und nicht bestiegen werden konnte. Ansonsten waren es immer mal wieder Kleinigkeiten, über die man im Nachgang teils auch schmunzeln konnte, wie extreme Turbulenzen bei einem Flug von Japan auf die Philippinen, die turbulente und nicht ganz ungefährliche Mitfahrt auf einem Roller in Indonesien oder dort auch eine Bootsfahrt, auf welcher unser Boot kurz vor dem Kentern war.

 

Travel around the clock: Abschließende Frage: Stell dir vor, die Einschränkungen rund um die Corona-Pandemie wären vollständig aufgehoben. Wo würde es dich als erstes hinziehen?

 

Christoph Schneller:

Reiseziele habe ich für die nächsten Jahre noch so einige, unter anderem will ich mal nach Usbekistan, Südafrika oder Namibia. Auch eine Reise von Nepal nach Tibet würde mich sehr reizen. In Südamerika habe ich einen Besuch in Chile und Paraguay ebenso im Hinterkopf wie eine Reise nach Kuba. Innerhalb Europas möchte ich kurzfristig auf jeden Fall noch in die 2 noch nicht besuchten Hauptstädte Edinburgh und Athen, aber auch auf die Färöer-Inseln oder in Kroatien die Plitvicer Seen oder in Bosnien Mostar besuchen.

 

Travel around the clock: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

Wenn du selbst einmal bei Travel around the clock von deinen Erlebnissen auf Reisen erzählen möchtest, dann schreibe uns einfach eine kurze Mail und wir setzen uns mit dir in Verbindung!

 

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Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Interview auf Travel around the clock!

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